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PDM-Daten im Kontext von EN 9300
In den meisten modernen Industrieumgebungen werden Produktdaten mit Hilfe von Produktdatenmanagementsystemen (PDM-Systemen) gepflegt und verwaltet. Im Allgemeinen tun diese Systeme Folgendes:
- Verwaltung der Nutzung der primären technischen Daten, die zum Beispiel in CAD-Modellen und Dokumenten enthalten sind;
- Ermöglichen der Organisation primärer technischer Daten in Strukturen zur Darstellung der relevanten Produkte;
- Unterstützung der Definitions- und Wartungsprozesse für Produkte.
Im Kontext der Normenreihe EN 9300 beschäftigen sich mehrere typspezifische Normen mit der LTA&R primärer technischer Daten (z. B. CAD, CAx, Dokumente), die von den relevanten technischen „Autorensystemen" generiert werden. Die Normenreihe EN 9300-2xx liefert Informationen zur LTA&R von Produktmanagementdaten für die relevanten Dokumente, Strukturen und Prozesse.
ANMERKUNG Die Begriffe „PDM-Daten" und „Produktmanagementdaten" werden synonym verwendet.
Dies zeigt das folgende Bild.
Ziele und Anwendungsbereich
Diese Norm behandelt die Langzeit-Archivierung und -Bereitstellung (LTA&R) von Produktmanagementdaten und relevanten prozessbezogenen Informationen (z. B. Anforderungen an die Produktstruktur). Was die prozessbezogenen Informationen anbetrifft, gelten nur die Prozessergebnisse als im Anwendungsbereich liegend, da sie stabile und statische Merkmale aufweisen. Der Arbeitsablauf zur Erstellung der Informationen liegt nicht im Anwendungsbereich. Die gewonnenen Informationen, z. B. Änderungsgenehmigung, Zulassungen/ Signaturen, CAD-Modelle, Attribute, liegen im Anwendungsbereich.
Produktmanagementdaten spiegeln genau die lokalen Geschäfts- und Datenverarbeitungsprozesse eines Unternehmens wider. Deshalb kann ein offener Standard nur eine gemeinsame generische Untergruppe allgemeiner Anforderungen definieren. Andere Daten, die nur von lokaler Relevanz sind oder von der lokalen Anwendungsumgebung abhängen, werden durch lokale Verfahren definiert. Für jede Anwendungsumgebung muss der komplette Satz an Standards, Methoden und Verfahren im Zusammenhang mit den archivierten Produktmanagementdaten durch offene Standards, Industriestandards oder Unternehmensstandards und -verfahren definiert und dokumentiert werden. Es wird dringend empfohlen, offene Standards zu verwenden, wann immer dies möglich ist, um den Austausch, die gemeinsame Nutzung, die Archivierung und Auditierbarkeit von Daten zu erleichtern.
Drei wichtige Ziele der LTA&R von Produktmanagementdaten sind:
- Ermöglichung der einwandfreien Bereitstellung archivierter primärer technischer Daten bei der Ausführung von Abfragen bezüglich Produktstruktur, -beziehungen, -gültigkeit, -status usw.;
- Bewahrung der Verbindungen zwischen primären technischen Daten und den zugeordneten Produktmanagementdaten;
- Bereitstellung aller in den zugeordneten Produktmanagementdaten enthaltenen relevanten Eigenschaften primärer technischer Daten.
Architekturdefinition
Die Produktmanagementdaten und die primären technischen Daten dürfen in unterschiedlichen Umgebungen verwaltet werden (z. B. ein Datenbanksystem für die Produktmanagementdaten und ein Dateisystem für die primären technischen Daten mit einem Verweis in der Datenbank auf das eindeutige Zuordnungsmerkmal und den Ort der Datei). In vielen Fällen werden die primären technischen Daten von den primären Generierungssystemen (z. B. CAD, Toolset für Systementwicklung) an eine PDM-Steuerarchitektur angehängt.
Die Beziehung zwischen Produktmanagementdaten und primären technischen Daten wird typischerweise durch Verweisungsmechanismen hergestellt. Die Verweisungsmechanismen und die sie verwaltenden Systeme müssen bei der Archivierung berücksichtigt werden.
Dies kann durch Beschreibung der kompletten Architektur der an der Verwaltung der relevanten Informationen beteiligten Systeme und durch Definition gemeinsamer Systemanforderungen und -verfahren wie Synchronisation, angewandte Qualitätsebene, Sicherheitsanforderungen und Auditierung erfolgen. Für die Leistungsfähigkeit der Architektur insgesamt ist es erforderlich, dass alle Systeme innerhalb der Architektur den gemeinsamen Anforderungen entsprechen.
Die gesamte Architekturdefinition muss Anforderungen entsprechen, die in den geltenden gemeinsamen Prozessteilen von EN 9300 festgelegt sind.
Archivierung sich häufig ändernder PDM-Daten
Produktmanagementdaten ändern sich häufig, und es werden Verfahren eingesetzt, um die Änderungen ordnungsgemäß zu dokumentieren und die autorisierende Änderungsdokumentation rückverfolgbar zu machen.
Der Prozess der Langzeit-Archivierung darf bei sich häufig ändernden Daten eingesetzt werden, um deren Zustand zu einem bestimmten, vom Managementprozess definierten Zeitpunkt festzuhalten. Die Detailgenauigkeit und der Zeitpunkt der Prozesse der Langzeit-Archivierung kann abhängig von den relevanten Geschäftsprozessen, der Systemarchitektur und der Anwendungsumgebung (d. h. Anwendungsversionen) variieren.
CAD-erzeugte Daten repliziert in PDM
CAD-Baugruppenstrukturen (definiert im Rahmen von CAD-Baugruppenmodellen) zeigen, wie Teile in Baugruppen höherer Ebene organisiert werden, die ihre Wechselbeziehungen und Hierarchie aufzeigen. Zum Beispiel zeigen einige Systeme die Konfiguration einer Produktinstanz durch Visualisierung der 3D-CAD-Modelle in der relevanten Position, wobei die Positionsinformation in der CAD-Baugruppe definiert ist. Ein anderes Beispiel wären Masseeigenschaften, die in der CAD-Baugruppe definiert, aber auch als Metadaten im PDM-System gezeigt werden.
Um CAD-Baugruppenstrukturen im Kontext einer Produktkonfiguration betrachten zu können, sind Konfigurationsmanagement- Aspekte wie Änderungskontrolle, Varianten (z. B. optionale Konfigurationen) und Gültigkeiten erforderlich. Allerdings sind diese nur in einem PDM-Umfeld vorhanden.
Im CAD-Modell definierte Baugruppenstrukturen liegen nicht im Anwendungsbereich für die in der Normenreihe EN 9300-2xx festgelegten Anwendungsfälle von LTA&R und werden in EN 9300-115 behandelt.
Außerhalb des Anwendungsbereichs
Die Normenreihe EN 9300-2xx geht nicht auf primäre technische Dateninhalte oder den Arbeitsablauf des Konfigurationsmanagementprozesses selbst ein. Die Normenreihe EN 9300-2xx liefert nur Verfahren für die Langzeit-Archivierung und -Bereitstellung von PDM-Daten. Verfahren für die Langzeit-Archivierung und -Bereitstellung primärer technischer Daten (Inhaltsdaten), die an PDM-Daten angehängt sind, liegen nicht im Anwendungsbereich der Normenreihe EN 9300-2xx. Diese werden im Anwendungsbereich anderer Teile der Normenreihe EN 9300-1xx für CAD oder durch Anwendung existierender verfügbarer Normen behandelt.
Beispiele hierfür sind:
- 3D-Geometrie → Normenreihe EN 9300-1xx;
- 2D-Zeichnungen → TIFF G4;
- Dokumente → PDF A (ISO 19005);
- Dokument/Datenbank → XML (W3C-Empfehlung);
- Technische Publikationen → Spec. S1000D.